Zugtouren

… oder wenn Enzianer verreisen

Eigentlich waren die Wochenenden in den ersten jungen Jahren ausschließlich Veranstaltungen mit Zugtour-Charakter. Selbst wenn es nur bis ins legendäre DON-YO ging konnte es vorkommen das Übernachtungen gebucht wurden. Hier nun ein kleiner Auszug unserer Zugtour Legenden.

Reeperbahn

An das Jahr dieser legendären Zugtour von 6 Halbwüchsigen Enzianern kann sich der Schreiberling nicht mehr erinnern. Es muss Irgendwann 1987-88 gewesen sein. Unser damals Jüngster machte eine Ausbildung bei der Deutschen Bundesbahn und schlug eine Fahrt mit dem Fischmarkt-Express vor. Das bedeutete, mit der Bahn nach Hamburg zum Fischmarkt. Zwischenstopp im Kölner Früh. In diesen 36 Std. haben wir der Menschheit zwischen Glehn und St. Pauli so viel Freude gemacht das wir zu bescheiden sind alles noch mal neu aufzurollen. Hier nur ein paar Stichpunkte.

  • Es begann gegen 8:00 Uhr im Hotel auf dem Bahnhofsvorplatz in Grevenbroich. Dort wurde das kleine Gedeck, ein Bier ein Schnaps, bestellt.
  • Im “Früh“ in Köln wurde dann ausgiebig gefrühstückt. Warum heißt die Kneipe denn sonst “Früh“?
  • Auf den Knien, bewaffnet mit einem Rollmaß, robbte  er durch die Deutsche Bundesbahn um den Tanzwagen auszumessen. >Den Kauf ich<, hat er damals gesagt.
  • > Reich doch mal das Kartoffelpüree rüber < > Wie viel? < > Ne´ gute Hand voll <. Klatsch, war das Zeug an der Wand und die hässlichen Weiber  vom Tisch.
  • >Ich war für 51,50 DM auf der Herbertstrasse. 1,50 DM für den Pariser<, hat er stolz erzählt.

Und dann war da noch unser Mann vom Jugendamt. Damals der älteste in unseren Reihen und immer fein im Anzug. Wir hatten Ihn in der Nacht auf der Reeperbahn verloren und als der Morgen dämmerte haben wir den Guten am Fischmarkt in zerrissenen Kleidern und mit einer auf dem Kopf stehenden Bild am Sonntag wieder gefunden. Mein Gott, sah der aus. Unvergessen auch unsere Blumenauktion in einer Kneipe am Fischmarkt. Irgendwann am sehr frühen Morgen wurden die Blumen eines uns wildfremden Fischkopp´s meistbietend an den Mann gebracht und der Erlös versoffen.

1997, eine Flussfahrt die ist Lustig

Gut zehn Jahre nach Hamburg gönnten wir uns wieder eine kollektive Belustigung. Am Freitag den 25.07.1997 unternahmen wir diesmal mit unseren Frauen  einen Ausflug. Einmal am Rhein… Wir waren sogar auf dem Rhein. Außer schlucken bis der Arzt kommt gab es auch ein großes Feuerwerk und was zu Essen, für den einen oder anderen sogar zwei Mahlzeiten. Jungschütze Wilfried wollte dieses Erlebnis zwanzig Tage nach seiner offiziellen Einbürgerung mit Nachdruck in Erinnerung behalten. Er hat dieser Veranstaltung gegenüber seiner Haustür ein Denkmal gewürgt. Es bleibt unvergessen wie er sich hochkonzentriert im Bus in die Rückenlehne seines Vordermannes krampfte. Alle sangen Lieder nur einer nicht. Das öffnen der Bustür war praktisch ein Bewegungsablauf in Kombination mit der Flucht vom Jungschützen. Es stand Ihm im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Hals.

Ri, Ra, Rutsch, wir fahren mit der Kutsch

01.08.1998 1030. Unser alljährlicher Ausflug steht an. Dass unsere Veranstaltungen immer bis ins letzte Detail durchorganisiert sind hat sich auch heute mal wieder bestätigt. Wie immer fehlte nur einer, der Zapfhahn. Als wir endlich loszockeln konnten, das Fass und der Jröhne waren gut gesichert, dauerte es nicht lange bis zum ersten Höhepunkt dieser Tour. Eine drei Meter Pipeline aus Strohhalmen für Günter und Holger. Jröhne auf Irrwegen. Beim ersten Boxenstopp in Hemmerden tauschten wir ein Bier gegen einen Riesenremmel Fleischwurst, beim zweiten Boxenstopp sind die Männer einfach nur pinkeln gegangen. Helpenstein wurde fahrplanmäßig erreicht. Dort erwartete uns ein Essen vom Feinsten. Lobend seien an dieser Stelle auch die Aquavitgläser des Hauses zu erwähnen, oder Sigrid? An den Blick vom Wirt, als er seinen mit Pferdeausfluss frisch gespritzten Hof sah, werden wir uns noch lange erinnern. Endlich wieder bei Wilfried angekommen wurde es nach Kaffee und Kuchen Zeit für ein Nickerchen. Als es draußen langsam dunkel wurde, rollte unsere zweite Angriffswelle: Licht aus, Spot an. Mit dem Beat der siebziger wurde das Fass und eine Flasche Dimple geleert. Gegen Mitternacht machten sich die letzten Überlebenden, Wilfried, Sigrid, Jörg, Theo, Nicole und Uwe auf den mehr oder weniger langen Weg ins Bett.

2002, Nachtwache am Kriegerdenkmal

Keine Zugtour, aber unvergessen. In den Jahren 2000 und 2001 wurde in der Nacht von Freitag auf Schützenfestsamstag von Unbekannten das Kriegerdenkmal an der Kirche verunstaltet. 2001, am Schützenfest-Dienstag, haben wir zufällig, zumindest von unserer Seite zufällig, den Herrn Präsidenten U. Brockers am Bierpavillon vor dem Festzelt getroffen. Hier kam es auch zum Thema Kriegerdenkmal. Uwe, Günter, Jörg und Theo vertraten die militante Meinung den oder die Verursacher mal kräftig übers Knie zu legen. Hier wurden beim Präsident offene Türen eingerannt. Wir bekamen für die Nachtwache im Jahr 2002 ausreichend Verpflegung und Bier versprochen und haben uns dann bereit erklärt dem Schützenbruder auf dem Denkmalssockel vor der Kirche in der Nacht vor dem Schützenfest Gesellschaft zu leisten.
Wir postierten uns mit Gartenmöbeln im Schatten der Tannen. Hier waren wir gut Getarnt und hatten den best möglichen Blick auf den Soldaten. Mit Einbruch der Dunkelheit kam auch unser Schützenpräsident dazu. Er hatte ein gutes Fass Pils-Bier und von einem Vorstandskollegen Fleischerei-Leckerchen dabei.
Bis gegen 03:00 weilte er dann auch bei uns und verkürzte die Zeit mit überlieferten Geschichten aus dem Schützenleben. Die stark wankenden Gestalten welche sich mitten in der Nacht auf dem Weg von Lappesen Richtung Don Yo machten waren ein Augenschmaus. Unser ehemaliges Mitglied Pitt-Jupp zum Beispiel machte sich auf die Suche nach den Stimmen aus dem Hintergrund. Auf allen Vieren suchte er das Unterholz ab ohne uns zu finden. Dieser Anblick hat für die Lange Nacht entschädigt. Es war 05:00 Uhr in der Früh, unser Schutzbefohlener blieb unversehrt und der Morgen dämmerte als wir unser Nachtlager verließen. Das Antreten am Samstag haben wir kurzfristig auf 15:00 Uhr verschoben.

2004 Ägypten, die Mutter aller Zugtouren

Mr. Khaled Sobhi, ein Intimus der Enzianer, lud zu sich nach Hause ein. Das hieß, Koffer packen und ab nach Ägypten. Der Afrikaner weilte im Herbst 2003 mal wieder in Good Old Glehn als die Idee reifte mal mit alle Mann nach Ägypten, warum auch nicht. Die Zugkasse wurde geplündert und auf ging’s an den Nil. Charterflug nach Hurghada und 5 Sterne All Inclusiv ins Ali Baba. Khaled Himself kam aus Kairo und machte 10 Tage den Privaten Animateur und Fremdenführer. Keine Frage dass wir in diesen 10 Tagen kaum ein Spektakel ausgelassen haben und dabei immer behandelt wurden wie Privatpatienten. Quadtouren durch die Wüste, Tauchen, Kartrennen auf mächtigen Spritschleudern in der Wüste, als geladene Mafia-Gäste morgens um 2 an einer reich gedeckten Tafel und immer wieder all Inclusive. Nach 8 Tagen Hurghada ging es mit Privatchauffeur Mr. Sobhi 8 Stunden quer durch die Wüste nach Kairo. Hier hatten wir 3 Tage Zeit für Kultur. Pyramiden, Sphinx, Tut Ench Amun und Nilfahrt. Wir haben es uns so richtig gut gehen lassen. Ein besonderes Schmankerl war die Heimreise. Wir flogen ab Hurghada, mussten also von Kairo zurück in die Wüstenstadt. Khaled schlug eine Busfahrt vor. Gesagt getan, für umgerechnet 2 Euro sind wir in einem engen Reisebus voll Einheimischer, es fehlten nur Schafe und Ziegen im Bus, 10 Std durch die Wüste gewackelt. Ich denke unser Afrikaner wusste was er uns mit dem Bus angetan hat und wird bei einer kalten Flasche Sakara mit seinen Kumpels in Kairo noch heute über die verrückten Deutschen lachen.

2008, das Partybike oder je Oller desto anstrengend

Es war wohl ein Anfall von Übermut als das Partybike gebucht wurde. Wie sonst soll man erklären das 8 alternde Männer fast 2000 Kg per Muskelkraft durch die Lande bewegen. Auf ebener Strecke konnte man bei dem ein oder anderen noch freundliche Gesichtszüge erkennen. Aber,  gibt es einen Weg von Glehn zum Frankenheim in Grefrath ohne Anstiege? Nun, den gibt es nicht. Ein schwacher Trost war der Fahrtwind während den kurzen Abfahrten. Endlich bei der Brauerei angekommen haben wir eine sehr ausgedehnte Pause genommen und uns im Brauereiausschank gepflegt an Speis und Trank ergötzt. Ganz nebenbei haben wir beschlossen die Fahrt mit einem direkten Heimweg drastisch abzukürzen. Nun auf der Rücktour, nachdem wir die Grefrather Berge hinter uns gelassen hatten kam die Idee auf, den Grenicup im Glehner Sportpark zu bereichern. Was sollen wir sagen, mit Ankunft der Enzianer auf dem Partybike gab es Sonderapplaus von der dort anwesenden Besucherschar.
Wie bereits zu lesen war wurde das Partybike 2008 noch einmal gebucht, zum entspannten Fackelzug radeln.